Mein Weg ins Nomadentum – Teil 3

Im Robinson Club auf Fuerteventura fing ich als Verwaltungsassistentin an. Obwohl sich mein Traum erfüllte, in Spanien zu leben und zu arbeiten, war es dennoch nicht das Gelbe vom Ei. Denkt nicht, sie beschwert sich jetzt auf hohem Niveau! Nur Club hat mal so gar nichts mit dem wirklichen Leben geschweige mit Spanien zu tun. Die Sechstagewoche in der Verwaltung lassen nicht viel Spielraum für Freizeitgestaltung. Zumal die Arbeit im Controlling einfach zu trocken für mich war. Das passte nicht zu mir. Nach wie vor hatte ich das Gefühl ein Korsett zu tragen und mich zu verbiegen. Ich war immer noch nicht angekommen. Das Wetter war toll, aber Fuerte hat mir als Insel offen gestanden, auch nicht wirklich gefallen. Das Drumherum stimmte einfach nicht.

Obwohl ich mich nicht wohlfühlte, war diese Entscheidung dennoch die Richtige. Ich sag immer, nichts passiert ohne Grund im Leben. Das Puzzle fügt sich irgendwann zusammen.

Auf der Insel kam ich zum ersten Mal mit der Ayurveda Massage in Berührung. Ich lernte eine Ayurveda Therapeutin kennen und war völlig fasziniert von der Philosophie. Ich saugte alles auf, was mit dem Thema zu tun hatte. In meinem Urlaub flog ich für Ayurveda-Weiterbildungen nach München. Ich verspürte den Impuls etwas komplett Neues auszuprobieren. Es fühlte sich richtig an. Ich hatte wieder dieses Feuer und Flamme sein, das ich auch für das Reisen stets verspüre. Für mich stand fest, ich wollte im ayurvedischen Bereich arbeiten und es in seinem Ursprung kennenlernen.

Ayurveda-Ausbildung in indien

Ich sparte also wieder mein gesamtes Gehalt. Viele Möglichkeiten zum Geld ausgeben gab es auch nicht und Unterkunft und Verpflegung war zum Glück gestellt. Nach neun Monaten kündigte ich meinen Job auf Fuerteventura. Zu Hause hatte ich noch mein Toyota Yaris stehen, das ich verkaufte. Ich buchte mein Flugticket nach Südindien Bangalore und machte in einer Ayurvedaklinik in dem Dorf Nelamangala meinen Abschluss als Ayurveda Massage Therapeutin. Das ist die Kurzfassung. Klingt durchgeknallt? Das war es auch! Definitiv. Ich wusste überhaupt nicht, wie es danach weiter gehen sollte. Geschweige denn, was mir die Ausbildung tatsächlich bringt und wohin es geht. Ich hatte nur einen kleinen finanziellen Puffer und die Gewissheit, dass mein Zimmer bei meiner Mutter noch frei stand. Ich konnte nur nicht anders handeln. Der Drang und den Impuls, den ich innerlich verspürte, verlangte eine sofortige Veränderung. Ich habe viele Monate darüber nachgedacht und traf diese Entscheidung ganz bewusst. Ich hatte das Gefühl nicht atmen zu können und musste aus dem Hamsterrad raus….sofort.

Natürlich hätte ich mich auch mit Ängsten verrückt machen können. Gründe etwas nicht zu tun, gibt es zur Genüge. „Das hat weder Hand noch Fuß“, „Davon kann ich nicht leben“, „Wie geht’s danach weiter“ sind alles Ängste, die uns auch ausbremsen. Ängste, die uns davon abhalten unserem Bauchgefühl oder das was unser Herz uns sagt, nicht nachzugehen. Und warum? Es passt nicht ins Bild unserer nach wie vor konventionellen Gesellschaft.

Auch bei meiner Familie traf ich auf Unverständnis. Die Reaktionen waren sehr emotional, teils sehr heftig. Meine Mutter dachte, ich spinne. In Indien werde ich noch vergewaltig und abgeschlachtet. Sie war absolut gegen diese Entscheidung! Wie kann man einen sicheren Job aufgeben, knapp 3.000 Euro für eine Ayurveda-Ausbildung ausgeben, die in Deutschland noch nicht mal anerkannt ist? Zusätzlich praktizierte ich nebenbei noch Yoga und Meditation. Sie dachte, ich sei jetzt in einer Sekte. Für sie war das alles ganz schlimm. Doch für mich genauso! Es begann eine Zeit, in der wir uns nicht sehr gut verstanden hatten. Zum ersten Mal fühlte ich mich sehr einsam, denn ich stand alleine da. Es war so schade, da es auch das erste Mal war, dass ich beruflich für etwas brannte. Für mich fühlte es sich richtig an und ich wusste, mich kann dieser Weg glücklich machen, auch wenn er nicht einfach sein wird. Keine mentale Unterstützung zu erhalten, ist verdammt hart und machte mich unendlich traurig. Ich ging also diesen Weg komplett alleine. Würde ich scheitern, wüsste ich, das ich mit dem Kommentar „Ich habs dir doch gesagt“ rechnen müsste. Doch das nahm ich in Kauf. Trotz aller Widerstände, war ich entschlossen diesen Weg ganz bewusst zu gehen.

Grundsätzlich sollten natürlich alle Entscheidungen mit Bedacht und nicht unüberlegt getroffen werden. Da bin ich bestimmt kein Paradebeispiel, jedoch war ich auch erst 21 ;). Nein…als ich diese Entscheidung traf, war es kein jugendlicher Leichtsinn. Selten war ich so klar und entschlossen. Und zumindest wusste ich, trotz aller häuslichen Widerstände, stand die Tür jederzeit offen. Ich müsste nicht auf der Straße schlafen.

Finanzielle Unterstützung erhielt ich allerdings nie von der Familie, geschweige in dem Moment die Mentale. Bis heute habe ich mir alles selbst hart erarbeitet und erkämpft. Es gab dabei sehr schwere Zeiten und auf die Nase zu fallen gehört leider dazu. Es ist nicht immer alles heiler Sonnenschein. Auch auf das muss man sich einstellen, wenn man sich für diesen steinigen Weg entscheidet. Unabhängigkeit bedeutet ebenso harte Arbeit. Jedoch kann ich nur jeden raten: Wenn Dein Bauch sagt, dass fühlt sich richtig an, dann geh diesen Weg, egal was andere sagen und denken!

Hier habe ich meinen Einstieg ins Nomadentum nur kurz angerissen. Mehr Eindrücke, Erlebnisse und Tipps dazu, folgen auf jeden Fall in meinen kommenden Blogposts.

Hast Du auch das Gefühl Dich beruflich zu verbiegen? Spielst Du mit dem Gedanken Dich zu verändern? Was hält Dich derzeit davon ab? Ich freue mich auf Deine Kommentare und Meinungen dazu 🙂.

 

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Ein Gedanke zu „Mein Weg ins Nomadentum – Teil 3

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