Skurriles Singapur: Todesstrafe ja, Selbstmord nein

Die Todesstrafe wird vollstreckt, Selbstmord begehen ist dagegen ein Verbrechen

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass dieser Artikel Singapur etwas kritisch gegenübersteht. So sehr ich die Vorzüge des kleinen Stadtstaats zu schätzen weiß, möchte ich genauso auch die andere Seite zeigen. Mich hat das Thema damals sehr betroffen gemacht und für den einen oder anderen ist es vielleicht auch interessant, mehr darüber zu erfahren.

DSC03460Als ich mich in Singapur aufhielt, fiel meine Aufmerksamkeit auf die futuristischen Screen-Türen in der MRT (Singapurs Metro), die sich nur bei Einfahrt der U-Bahn öffnen. Das sieht spektakulär aus, aber warum das Ganze? Ein Security-Mitarbeiter der MRT lachte: „Du weißt mit Sicherheit, dass Singapur das sicherste Land der Welt ist. Es ist so sicher, dass der Staat sich in der Verpflichtung sieht, die Bürger vor sich selbst zu schützen.“ Das klingt erst mal sehr fürsorglich – nur was bedeutet das konkret? „Die Selbstmordrate ist inoffiziell sehr hoch, und die Menschen haben sich häufig vor die Züge geworfen. Das geht natürlich nicht. Niemand darf das System in Singapur durcheinanderbringen“, warnte er und fügte weiter hinzu, „wem es nicht gelingt, sich umzubringen, der geht ins Gefängnis.“ Ins Gefängnis????? Ja, korrekt!

Eine interessante Methode, Menschen mit psychologischen Problemen derart zu begegnen. Laut Paragraf 309 des Strafgesetzbuchs von Singapur ist jeder Selbstmordversuch eine Straftat, die mit Gefängnis und einer Geldstrafe verurteilt wird. Laut Insidern kann die Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahre andauern. In dem „Disneyland mit Todesstrafe“, wie Singapur noch genannt wird, ist die Selbstmordrate dennoch nicht gering. „The New Paper“ ist die zweitgrößte englischsprachige Tageszeitung Singapurs und berichtete 2012, dass die Selbstmordrate in Singapur immer weiter steige. 2011 wurden 992 Menschen wegen eines Selbstmordversuchs verhaftet. Die Samariter von Singapurs 24-Stunden-Hotline (SOS) wickelten 2012 44.053 Anrufe ab. Eine stolze Zahl für einen kleinen Stadtstaat, der gerade mal so groß ist wie Hamburg und eine Einwohnerzahl von knapp fünf Millionen aufweist. Seit dem wurden übrigens keine weiteren Statistiken dazu veröffentlicht. Man kann also davon ausgehen, was Insider auch schreiben, dass die inoffizielle Zahl drastisch gestiegen ist.

Dass Singapur zu den saubersten Ländern der Welt gehört, ist ebenso bekannt wie zum Beispiel die skurrilen Geldstrafen von über 500 Singapur-Dollar für das Ausspucken eines Kaugummis. Singapur hat definitiv seine Eigenheiten. Da die Gefängnisstrafe für suizidgefährdete Bürger nicht abschreckend wirkte, musste eine andere Lösung her, denn erfolgswillige Singapurer müssen schließlich pünktlich zur Arbeit kommen. Hört sich sarkastisch an? Ist aber tatsächlich die Wahrheit.

Verkehrsminister Raymond Lim sagte damals zu den Suizid-Vorfällen in der MRT: „Die Störungen in den MRT-Stationen, die von Menschen verursacht wurden, stiegen von 16 Fällen pro Jahr auf 30 im Jahr 2006 an, 2007 waren es sogar 31. Mal davon abgesehen, dass die Menschen ihr Leben gefährden, unterbrechen solche Vorfälle die Zugverbindung und bringen den Pendlern jede Menge Unannehmlichkeiten – besonders während der Rushhour.“

DSC03462Selbstverständlich darf das System in Singapur nicht gestört werden. In einem erfolgsorientierten Land wie dem tropischen Stadtstaat darf der Wirtschaftlichkeit und dem Erfolg nichts im Wege stehen – nicht einmal suizidgefährdete Bürger. „Wir werden Screen-Türen an allen MRT-Stationen installieren, sodass wir den Pendlern eine sichere und zuverlässige Zugverbindung gewährleisten können.“ Gesagt, getan – für rund 126 Millionen Singapur-Dollar (76.403.200 Euro) wurden an jeder MRT-Station Screen-Türen errichtet. Der Zugang ist nur noch zu stehenden Zügen möglich.

In Singapur ticken die Menschen halt anders. Sich mit der Ursache der Problematik auseinandersetzen? Dauert zu lange. Und welche Ursachen sollte es geben? 2009 veröffentlichte die CNNgo 50 Gründe, warum Singapur das beste Land der Welt sei. Eigentlich gibt es doch keinen Grund, sich umzubringen…. Oder doch?

 

 

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3 Gedanken zu „Skurriles Singapur: Todesstrafe ja, Selbstmord nein

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