Neue Serie zum Thema Reisen und Arbeiten: Boutique Assistentin im Robinson Club – 10 Fragen an Tina…..

Tinas Arbeitsplatz Fuerteventura

Tinas Arbeitsplatz

Ich habe gemerkt, dass das Thema Reisen & Arbeiten auf zunehmendes Interesse stößt. Einige von Euch interessieren sich für die Möglichkeiten, die es gibt, aber auch für das Wie. Damit Du nicht nur meine Erfahrungen und Meinung liest, interviewe ich zukünftig in regelmäßigen Abständen Menschen, die das gleiche wie ich taten oder immer noch dabei sind: Das Arbeiten mit dem Reisen verbinden. Ab heute startet die Interview-Serie „Arbeiten & Reisen: Menschen berichten über ihre Jobs von unterwegs„. Dabei erzählen sie von den Vor- und Nachteilen ihres Jobs, was sie bewegte, diesen Schritt zu gehen und geben Dir noch hilfreiche Tipps auf dem Weg.

Neben Clubhotels oder Arbeiten auf dem Schiff, stelle ich Euch natürlich viele weitere Möglichkeiten vor.

Als erstes berichtet Tina, die drei Jahre als Boutique Assistentin im Robinson Club auf Fuerteventura gearbeitet hat, später als Rezeptionistin in einem Hotel auf Fuerte tätig war und sich jetzt wieder im soliden Deutschland befindet. Trotzdem lässt das Reisefieber sie nicht los. 

Tina am Galaabend im Robinson

Galaabend im Robinson Club

  1. Was waren Deine Beweggründe Dich damals beim Robinson Club zu bewerben?

Mein Vertrag bei AIR BERLIN als Flugbegleiterin lief aus und ich fühlte mich noch nicht bereit, in einen normalen, spießigen Job zurückzukehren. Mit Mitte 20 fühlte ich mich noch zu jung dafür. Zumal ich mich gerade von meinem langjährigen Freund getrennt hatte und einfach das Leben genießen und die Welt kennenlernen wollte.

Für mich gab es also drei Möglichkeiten fortzufahren:

  1. Weiter als Flugbegleiterin bei einer anderen Airline zu arbeiten
  2. Auf ein Schiff zugehen wie z.B AIDA
  3. Oder ins Ausland als Reiseleiterin oder in einem Club zu arbeiten

Da ich mit meiner Mutter im Oktober 2003 den Urlaub im Robinson Club Esquinzo verbrachte, dachte ich mir, ach Robinson wäre doch auch nicht schlecht.

Und vier Wochen später war ich auf Fuerteventura im Jandia Playa :).

  1. Als was hast Du wo gearbeitet?

Ich habe in der Boutique im Robinson Club Jandia Playa gearbeitet.

  1. Wie viele Saisons hast Du gemacht?

Ich war von April 2004 bis März 2007 da. Geplant war eigentlich nur ein Jahr. Aber manchmal kommt es doch anders, als man denkt.

  1. Wie sah so ein typischer Robin-Alltag bei Dir aus?

Das hing vom Schichtdienst in der Boutique ab. Wir arbeiteten in drei Schichtsystemen.

Beim Frühdienst ging es um 10 Uhr los und bis 16 Uhr. Je nachdem wie lang die Nacht war, habe ich vorher im Restaurant gefrühstückt. Unsere Zimmer waren außerhalb des Clubs und mit einer Single-Küche ausgestattet. Somit hatten wir auch die Möglichkeit manchmal Essen zu zubereiten. Zeitlich war das jedoch eher schwierig, weil sich das ganze Leben im Club abspielte und man meistens nur zum Schlafen nach Hause ging.

Bei meiner Spätschicht sah es ähnlich aus, da ging es um 12 Uhr in der Boutique los und dann durchgehend bis 18 Uhr.

Am liebsten habe ich die Teilschicht von 10 – 12 Uhr und 16 – 18 Uhr gemacht. Die Mittagszeit konnte ich dann prima nutzen, um Tauchen zu gehen oder am Strand zu liegen.

Nach Feierabend bin ich oft noch zum Strand oder zum Spinning gegangen.

Jeden Mittag von 14 – 16 Uhr fand die Generalprobe für die Abendshow statt. Im Robinson Club ist jeden Abend eine Show, die sich 14-tägig wiederholt. Ich hatte zwei Shows pro Woche, somit waren auch die Mittagsproben Pflicht.

Zusätzlich hatte ich fünfmal in der Woche Anwesenheitspflicht. Das ist eine sogenannte Barpflicht, die bis 24 Uhr geht, um Zeit mit den Gästen zu verbringen, sie zu unterhalten und zu socializen.

Wenn ich abends Show, Barpflicht oder andere Aufgaben hatte, aß ich abends mit den Gästen im Clubrestaurant.

Zu den Zusatzaufgaben gehörten unter anderem auf der Wiese des Clubs vor dem Restaurant Cocktails zu verteilen, um die Gäste auf die Show einzustimmen oder am Eingang des Hauptrestaurants Spalier zu stehen.

Nach der Show hatte ich dann meistens Anwesenheitspflicht bis Mitternacht. Manchmal bin ich noch in den Night Club zum Feiern gegangen. Es kam aber auch vor, dass wir Mitternachtsproben bis in die Morgenstunden hatten, wenn neue Shows einstudiert wurden.

Zwei- bis dreimal in der Woche hatten wir eine Kochpatenschaft.

Das bedeutet, wir mussten zum Frühstück, Mittag oder auch zum Abend am Buffet an verschiedenen Stationen im Hauptrestaurant kochen: Shakes Mixen, Pasta kochen, Desserts zubereiten, Eis ausgeben usw. Die Pasta-Station hat mir am Besten gefallen :).

Freizeit: Tina im Atelier des Robinson Clubs

Freizeit: Tina im Atelier des Robinson Clubs

  1. Was hat Dir besonders gut gefallen?
  • Das einfache und lockere Leben, denn ich musste mich um nichts kümmern.
  • Ich hatte ein Dach über den Kopf, durfte mit dem Gästen im Restaurant essen (obwohl, das ab und zu mega anstrengend war, denn Du stehst immer auf der Bühne und musst immer aufpassen, was Du sagst)
  • Von den Nachrichten oder Weltgeschehen bekam man wenig mit, da für TV keine Zeit war bzw. waren unsere Zimmer auch nicht mit einem Fernseher ausgestattet. Die Tageszeitungen waren immer vom Vortag.
  • Es bestand die Möglichkeit alle Sportaktivitäten wie Segeln, Surfen, Tauchen, Fitness usw. kostenfrei oder gegen einen kleinen Unkostenbeitrag zu nutzen.
  • Man lebte in einer komplett anderen Welt fernab von Problemen, Stress, Hektik und Druck.
  • Man konnte das süße Leben genießen, Party machen, viele nette Leute und natürlich viel über sich selbst kennenlernen.
  • Es bestehen viele Möglichkeiten seine Talente oder sein Können auszuprobieren. Hier, oder besser gesagt im normalen Leben, hast Du kaum die Möglichkeiten dazu, geschweige denn die Zeit oder das Geld.
  • Ich habe tolle Menschen kennengelernt, die mich einige Zeit begleitet haben. Sogar heute bestehen immer noch Freundschaften aus dieser Zeit.
  • Und ich habe den Mann meines Lebens kennengelernt, mit dem ich immer noch sehr glücklich bin.

Ganz ehrlich, die Zeit will ich nicht missen…

  1. Was hat dir weniger gut gefallen?
  • Die abendliche Barpflicht (fünfmal die Woche) bis 24 Uhr im Club zu sein. Das hieß an der Bar die Gäste unterhalten, auf den Schachbrett (Tanzfläche an der Bar) zu tanzen. Party zu machen, auch wenn man keine Lust hatte oder sich nicht gut fühlte.
  • Die wenige Privatsphäre, da man sich ein Zimmer mit einer anderen Kollegin teilen musste. Und die Zimmer waren nicht groß.
  • Wir hatten das große Glück, dass wir außerhalb des Clubs in der Casa de la Familia in Morro Jable gewohnt haben. Die Wohnungen gehörte dem Robinson Club, weil die Clubanlage selbst nicht so viel Platz für Mitarbeiter hergab. Das war gut, denn so hatten wir zumindest in unserer Freizeit unsere Abgrenzung zum Gast.
  • An Geburtstagen und Feiertagen wie Weihnachten oder Silvester hat mir meine Familie sehr gefehlt.
  • Die immer wiederkehrenden, dämlichen Fragen der Gäste haben auch genervt. Zum Beispiel: Was machst Du denn in normalen Leben? Hast Du was gelernt? Muss man was können, um hier zu arbeiten? Einige Gäste denken auch, sie hätten uns exklusiv gebucht. 
  1. Was hat Dich geprägt und vielleicht sogar verändert?

Ich bin offener, mutiger und selbstbewusster geworden. Ich habe neue Stärken und Talente an mir entdeckt. Ich weiß die Arbeit der Hotelangestellten in den Urlaubsländern zu schätzen. Und vor allem ist mir bewusst geworden, wie gut es uns in Deutschland geht!

  1. Warum hast Du irgendwann aufgehört?

Für mich haben drei Jahre gereicht, ich hatte keine Lust mehr auf die ganzen Verpflichtungen. Ich wollte ein Privatleben! Da mir Fuerteventura gefallen hat, blieb ich auf der Insel und fand einen Job als Rezeptionistin in einem anderen Hotel, aber dieses Mal ohne Verpflichtungen. Ich hatte also wieder eine Fünftagewoche und einen Achtstundentag. Ein geregelter Job, nur mit dem Vorteil des Südens mit Sonne, Strand und Meer.

  1. Kannst Du es Dir für die Zukunft noch mal vorstellen?

Im Ausland zu leben und zu arbeiten auf jeden Fall. Robinson Club mit den ganzen Verpflichtungen wie Showteilnahme, Anwesenheitspflicht Sechstagewoche, Zimmer mit Kollegen teilen, wohnen in der Clubanlage….keinesfalls. Die Erfahrung war einmalig und wie gesagt, ich will es nicht missen, aber jetzt bin ich einfach zu alt dafür ;-). Meine Prioritäten haben sich verschoben.

 

Dünen von Fuerteventura

Dünen von Fuerteventura

  1. Was würdest Du anderen empfehlen, die sich für Robinson entscheiden? Welche Tipps würdest Du ihnen auf dem Weg geben?
  • Es ist eine tolle Erfahrung. Man lernt viele interessante Menschen kennen. Es können sich super Freundschaften entwickeln.
  • Man hat die Chance sich im Bereich der Hotellerie, Gastronomie oder im Tourismus sehr gut weiterzuentwickeln. Mit ein wenig Glück und viel Einsatz treibt man sogar seine berufliche Laufbahn voran, egal für welche Branche. Das Knüpfen von Kontakten mit Gästen ist nicht nur mit Nachteilen behaftet.
  • Genieße die Zeit, die Du hast. Hab Spaß, mache es solange Du mit dem Herzen dabei bist.
  • Probiere alles aus, was möglich ist. Arbeite in verschiedenen Abteilungen, lerne unterschiedliche Sportarten kennen.
  • Versuche die Landessprache zu lernen.
  • Pass mit dem Alkohol auf. Die tagtägliche, ausgelassene Party-Atmosphäre kann einen schnell dazu verleiten, sich selbst zu verlieren. Es macht Dich kaputt. Leider bin ich in meiner Robinson-Zeit auch einigen verlorenen Seelen begegnet, wo der Alkoholkonsum ein ungesundes Ausmaß annahm.
  • Und vor allem pass auf was und wie viel Du isst. Da es gewünscht ist mit den Gästen zu essen, neigt man auch schnell zum unkontrollierten Essen. Drei Mal am Tag leckeres Buffet, nachmittags Kaffee und Kuchen und dann noch der Mitternachtssnack….oh weia. Da können schnell die Fettpölsterchen wachsen. Ich hatte fast zehn Kilo mehr auf den Rippen :). Die Küche ist also verdammt lecker.
  • …und verliere nicht den Blick und den Kontakt nach draußen.

 

Für die Qualität der Bilder muss ich mich entschuldigen, aber leider war damals noch nicht die digitale Zeit, somit sind die Fotos nur eingescannt. Um Dir aber ein weiteres Bild von Tinas Arbeitsort und der Umgebung machen zu können, schau gerne hier.

Hast Du Fragen dazu? Brennt Dir etwas auf der Zunge? Schreib mir gerne ein Kommentar :)!

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Wie Indien mein Leben veränderte – Teil 2

In meinem letzten Post „Wie Indien mein Leben veränderte – Teil 1“ erzähle ich von anfänglichen Schwierigkeiten meiner ersten großen Reise – alleine mit 21 Jahren nach Indien zu gehen. Jede Erfahrung die ich machte, im positivem wie auch negativem Sinne, war wichtig für meine Persönlichkeit und Entwicklung. Das denke ich tatsächlich! An Problemen, sorry….Herausforderungen sagt man ja heutzutage, wächst du. Selbst in der Not, wo ich nicht mehr weiter wusste, und da war ich öfters, ging es immer irgendwie weiter. Ich hatte stets das Glück immer wundervolle Menschen zu begegnen, die mir einen Denkanstoß gaben, mich inspirierten und manchmal auch direkt weiterhelfen konnten. Also lasse Dich bei Deinem Tun, wie auch die teilweise kommenden Misserfolge nicht entmutigen. Bleib zuversichtlich und beharrlich!

Quelle: Pinterest

Quelle: Pinterest

Nachdem ich die Nacht mehr oder weniger auf dem Fußboden von Mumbais Flughafen überstanden hatte, ging um 6:30 Uhr mein Flug weiter nach Bangalore. 1 ½ Stunden später landete ich, samt Gepäck. Das war noch immer meine größte Sorge bei den ganzen Zwischenstopps. Doch es lief alles gut. Draußen standen unzählige Menschen. Es war noch dunkel. Ich entdeckte einen Mann mit einer Kritzelei auf einem Pappschild „Domnick Ayurdhama“. Ayurdhama hieß die Ayurvedakurklinik, in der ich meinen Abschuss zur Ayurveda Massage Therapeutin absolvierte. Ich war übrigens zu der Zeit schon Ayurveda Massage Praktiker. Mit dem Auto ging es 50 Kilometer außerhalb Bangalores in das Dorf Nelamangala, fernab vom westlichen Tourismus. Völlig müde und gerädert nach meiner 27-stündigen Reise kam ich nun endlich an.

Der Empfang war sehr freundlich und warmherzig. Ich hatte dort ein eigenes Lodge…unglaublich. Damit hatte ich nicht gerechnet! Das Ressort war eine eigene Welt. Es waren kaum Gäste da. Es wirkte alles so ursprünglich, traditionell, idyllisch und wunderschön. Es war alles sehr weitläufig und ruhig. Leider war damals noch nicht die digitale Zeit, so dass ich wirklich repräsentative Bilder liefern kann. Immerhin, es liegt schon 11 ½ Jahre zurück :). Daher sieh es mir bitte nach.

Da ich auf einem Sonntag ankam, fing der Unterricht erst am Montag an. Also legte ich mich für ein paar Stunden aufs Ohr. Auf der einen Seite war es ruhig, es gab keinen Straßenlärm etc… Was ich aber nicht gewohnt war, war die Lautstärke der Natur. Ich befand mich quasi auf dem Land, fast schon im „Dschungel“. Es gab Affen, Geckos, Frösche, Grillen usw … und die können einen Krach machen, das kannst Du Dir nicht vorstellen! Das war anfangs doch gewöhnungsbedürftig. Vor allem hattest Du das eine oder andere Haustier ungewollt in deinem Lodge. Die Frösche kamen auch die Kanalisation hoch ;). Darüber hinaus waren mehrfach Stromausfälle Tagesordnung. Ebenso gab es selten warmes Wasser. Diese und weitere kleinen Dinge weiß man später umso mehr zu schätzen, wenn es wieder zurückgeht. Indien hat mich bescheidener und dankbarer gemacht.

NoToilet

Quelle: Pinterest – Eleanora Hye

Du kannst Dir nicht vorstellen, wie sehr man sich auf eine heiße Dusche, Toilettenpapier oder überhaupt richtige Toiletten freuen kann :). Heutzutage ist das, denke ich zumindest, anders in Indien. In den Großstädten ist es wahrscheinlich fortgeschrittener und in den Hotels sowieso. Wobei ich sagen muss, an dem Flughafen Mumbais gab es damals zumindest noch keine richtigen WCs. Wenn jemand dazu aktuelle Erfahrungen hat, soll er es mir gerne in den Kommentaren unten schreiben :). Ich hatte mich damals schnell akklimatisiert in Indien und fand es wundervoll. Die Erfahrungen, die ich machte, waren absolut lehrreich und auch dafür bin ich heute noch sehr dankbar.

Hat Dich eine Reise auch mal verändert? Hast Du eventuell danach tiefe Demut oder Dankbarkeit empfunden? Mehr über meine Indien-Erfahrung und Ayurveda Ausbildung, erfährst Du in meinen nächsten Blog-Beiträgen.

 

 

Insider-Tipp Italien: Chioggia – Das Klein-Venedig

Chioggia_StadtBei meinem Roadtrip von Schloss Neuschwanstein über Innsbruck nach Venedig, ist mein heiß geliebter Insider-Tipp, das noch sehr ursprüngliche Fischerdörfchen Chioggia. Das Dorf liegt in der Lagune zirka 25 Kilometer Luftlinie von Venedig und wird auch Klein-Venedig genannt. Warum? Die Häuser stehen direkt am Wasser. Sie werden von kleinen Kanälen und Brücken getrennt. Am Horizont finden sich farbenfrohe Häuser, Glockentürme und venezianische Paläste, die die kleine Fischerstadt umschmeicheln. Wer fernab vom Massentourismus venezianischen, traditionellen Flair in einer Stadt mit antiker Architektur und den breitestenden Sandstränden der Adria genießen möchte, ist hier richtig.

Neugierig geworden :)? Willst Du mehr über Chioggia erfahren? Dann lies hier meinen Gastbeitrag auf 101places.de.